Street-Interviews im Marketing: So funktioniert das Format
Kurz gesagt: Ein Street Interview ist ein kurzes, spontanes Gespräch mit Passanten auf der Straße, gefilmt für Social Media. Marken nutzen das Format, weil echte Menschen mit echten Reaktionen glaubwürdiger wirken als Werbung. In Deutschland brauchst du für die Veröffentlichung die Einwilligung jeder erkennbaren Person.
Warum Street Interviews so gut funktionieren
Street Interviews sind kein neues Format, das Fernsehen macht sie seit Jahrzehnten als Straßenumfrage. Auf Instagram und TikTok erleben sie gerade ein Comeback, und Marken springen auf. TikTok selbst empfiehlt Unternehmen in seinem Trendbericht 2025 ausdrücklich ungefilterte Inhalte wie Street Interviews, um Vertrauen aufzubauen.
Der Grund ist einfach: Die Zuschauer sehen echte Menschen, die spontan reagieren. Niemand liest einen Werbetext ab. Eine gute Frage, eine überraschende Antwort, ein Lacher, und das Video wird zu Ende geschaut, geteilt und kommentiert. Genau diese Signale belohnen die Plattformen mit Reichweite.
Wie Unternehmen das Format nutzen
- Produkt testen lassen: Passanten probieren etwas und sagen ehrlich, was sie denken.
- Meinungsfragen zum Thema der Marke: Eine Modemarke fragt nach Lieblingsteilen, ein Café nach dem besten Kaffee der Stadt.
- Schätz- und Quizfragen: "Was glaubst du, was das kostet?" Die Auflösung macht neugierig auf das Produkt.
- Recruiting: Mitarbeitende werden im Street-Interview-Stil über ihren Job befragt. Das wirkt lockerer als ein klassisches Recruiting-Video.
Wichtig ist, dass das Video nicht nach Werbung aussieht. Die Marke ist dabei, aber die Menschen stehen im Mittelpunkt.
So läuft ein Dreh ab
- Frage entwickeln: Eine einzige, klare Frage pro Video. Sie muss in zwei Sekunden verständlich sein.
- Ort wählen: belebte Straßen, Plätze oder Events mit der richtigen Zielgruppe. In Köln zum Beispiel Innenstadt, Uni-Viertel oder Belgisches Viertel.
- Technik: Kamera oder gutes Smartphone, Funk- oder Handmikrofon mit Logo, eventuell eine zweite Person für Einwilligungen.
- Einwilligung einholen: vor oder direkt nach dem Gespräch, am besten schriftlich oder vor der Kamera aufgenommen.
- Schnitt: die besten Antworten, schnelle Schnitte, große Untertitel, der stärkste Moment ganz am Anfang.
Für ein gutes Video werden oft 20 bis 40 Menschen angesprochen. Ein Drehtag reicht meist für mehrere Videos.
Das Rechtliche: Was du in Deutschland beachten musst
Hinweis: Das ist eine Übersicht, keine Rechtsberatung. Im Zweifel frag einen Anwalt für Medienrecht.
- Einwilligung nach dem Kunsturhebergesetz: Nach § 22 KUG dürfen Bilder und Videos einer Person nur mit ihrer Einwilligung verbreitet werden. Die Ausnahmen in § 23 KUG, etwa für Personen als Beiwerk oder bei Versammlungen, greifen bei unterhaltenden Straßenumfragen laut Medienrechtlern regelmäßig nicht.
- Einwilligung nach der DSGVO: Zusätzlich brauchst du eine datenschutzrechtliche Einwilligung. Sie muss informiert und eindeutig sein, und du musst sie im Zweifel nachweisen können.
- Praktisch heißt das: Lass dir die Zustimmung geben, die den Kanal und die Nutzung nennt, also organischer Beitrag, Werbeanzeige, Dauer. Eine kurze Erklärung zum Unterschreiben oder eine Zustimmung vor der Kamera ist der sichere Weg.
- Minderjährige: Nur mit Einwilligung beider Eltern, ab etwa 14 Jahren zusätzlich mit der des Jugendlichen.
- Widerruf: Nach der DSGVO kann eine Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen werden, nach dem KUG nur aus wichtigem Grund. Das Verhältnis ist umstritten. Rechne damit, ein Video im Einzelfall löschen zu müssen.
- Folgen bei Verstößen: Unterlassung, Schadensersatz, Abmahnkosten und im Extremfall eine Straftat nach § 33 KUG.
Selbst machen oder machen lassen?
Ein Street Interview sieht einfach aus, ist es aber nicht. Die richtige Frage, Menschen ansprechen, ohne aufdringlich zu sein, sauberer Ton auf einer lauten Straße, Einwilligungen und ein Schnitt, der in der ersten Sekunde fesselt: Das ist Handwerk. Wenn du das Format testen willst, lohnt sich ein Drehtag mit Profis, aus dem gleich mehrere Videos entstehen.
Häufige Fragen
Was ist ein Street Interview?
Ein kurzes, spontanes Interview mit Menschen auf der Straße, meist mit Handmikrofon und Kamera oder Handy gefilmt. Die Antworten werden zu einem schnellen Video für Instagram, TikTok oder YouTube Shorts geschnitten.
Darf man Leute auf der Straße filmen und das Video veröffentlichen?
Für ein Street Interview brauchst du in Deutschland die Einwilligung der gefilmten Person, sowohl nach dem Kunsturhebergesetz als auch nach der DSGVO. Am sichersten ist eine schriftliche oder vor der Kamera aufgenommene Zustimmung, die nennt, wo das Video erscheint.
Darf ich Minderjährige interviewen?
Nur mit Einwilligung beider Eltern, ab etwa 14 Jahren zusätzlich mit der Zustimmung des Jugendlichen selbst. Die Zustimmung des Minderjährigen allein reicht nie.
Kann jemand seine Einwilligung später widerrufen?
Nach der DSGVO kann eine Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen werden. Nach dem Kunsturhebergesetz ist das nur aus wichtigem Grund möglich. Wie beides zusammenspielt, ist rechtlich umstritten. Plane deshalb ein, ein Video notfalls löschen zu müssen.
Welche Fragen eignen sich für Street Interviews?
Kurze, einfache Fragen mit überraschenden Antworten: Meinungen, Schätzfragen, Geschmackstests oder "Was würdest du wählen?". Die Frage sollte zu deiner Marke passen, ohne wie Werbung zu klingen.
Quellen
- TikTok Newsroom: What's Next 2025 Trend Report (10.02.2025)
- Gesetze im Internet: § 22 KunstUrhG
- Gesetze im Internet: § 23 KunstUrhG
- Spirit Legal: Peinliche Interviews auf YouTube? (16.09.2025)
- Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Einwilligung bei Fotografien Minderjähriger, WD 10 - 3000 - 038/18 (2018)
- Jüdemann Rechtsanwälte: Einwilligung zur Nutzung von Bildnissen nicht frei widerrufbar (30.07.2025)